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Des Menschen Möglichkeiten sind sein Untergang – Alex Garlands Ex Machina

Quelle Kennen Sie das? Man sitzt im Kino, der Abspann des Films, den man gerade gesehen hat, läuft und man ist so bewegt von dem gerade Gesehenen, dass man gar nicht aufstehen möchte. Man könnte zwar, aber man will es noch einen Augenblick wirken lassen, man will in Ruhe nachdenken können. Und vielen anderen geht es ebenso. Es liegt dann wie ein stilles Einvernehmen über den Kinobesuchern. Die pure Katharsis schafft einen enormen Erkenntnisgewinn. Oder vielleicht doch nicht? Ist das Ergriffensein vielleicht nur affektiert?  Quelle „ Ex Machina “ - bezeichnender Weise ohne „Deus“ - das Regiedebüt des britischen Schriftstellers Alex Garland (*1970), ist jedenfalls solch ein Film, der sich, wie ich finde, auf den Weg gemacht hat, einmal ein zeitloser Klassiker zu werden und sich auf gleicher Höhe mit den großen namhaften Beispielen seines Genres bewegt. Der Film ist als Kammerspiel angelegt, das Elemente der Kurzgeschichte ebenso aufweist, wie Spuren abstrakten und absurden Theater...

Die hohe Kunst des Hakawati - Rafik Schami in Montabaur

«„Sei mir gegrüßt, Dimisch esch Schâm, du Blumenreiche, du Königin der Düfte, du Augenlicht des Weltantlitzes, du Jungfrau der Feigen, du Spenderin aller Freuden und du Feindin allen Kummers!“ So begrüßt der Wanderer Damaskus, wenn er oben am Kubbet en Naßr steht, dessen Moschee sich wie eine weit in das Land hinaus schauende Warte auf dem Dschebel Kaßjûn es Salehije erhebt.» (aus: Von Bagdad nach Stambul, Reiseerzählung von Karl May, in: Karl Mays Gesammelte Werke Band 3: Von Bagdad nach Stambul, 2000. Auflage, Bamberg 2003, S. 301)    Mit Worten, die so ähnlich wie diese klingen, betritt der verehrte Hakawati am 23. April 2015 abends die Bühne im Forum St. Peter in Montabaur . Er lächelt. Seine runden Brillengläsern spiegeln das Deckenlicht. In warmen Worten begrüßt er das Auditorium. Er gibt sich charmant, weltgewandt, sein leichter Akzent ist drollig, man hat ihn sofort gern. Er ist gleich im ersten Augenblick sympathisch. Grau meliertes, leicht gekraustes kurzes Haar umra...

Eastwoods American Sniper: Indoktrination des Hassens und Konditionierung durch Patriotismus

Quelle „Sometime they'll give a war and nobody will come“ – An diesen Vers aus dem Gedicht „The People, Yes“ von Carl Sandberg (1878-1967), dem US-amerikanischen Autor, Journalist, Historiker und Pulitzer-Preisträger, muss ich permanent denken, seit ich das Kino verlassen habe. Während des Films „ American Sniper “ des US-amerikanischen Filmschauspielers, Regisseurs, Produzenten, Komponisten und Politikers Clint Eastwood (*1930) habe ich noch gedacht, dass ich darüber wahrscheinlich nicht schreiben werde, weil ich dazu eigentlich nichts zu sagen habe. Eigentlich. Dann jedoch bin ich mit meinem Freund und Kollegen Paul (Anm.: Der Name wurde von mir geändert) , dem zuliebe ich mir den Film angeschaut habe, auf dem Rückweg zu unseren Fahrzeugen in eine Diskussion über die alte Frage geraten, ob Soldaten Mörder sind. Und die unterschiedlichen Standpunkte zwingen mich jetzt geradezu zu diesem Text. Quelle Paul, Jahrgang 1974, ist Hauptfeldwebel a. D. und war von 1996 bis 2006 in v...

Kingsman: The Secret Service – Die Mär von den neoklassizistischen Rittern der Neuzeit

Quelle König Artus (Pendragon ), Sir Lancelot vom See , Sir Galahad – der Klang dieser Namen hat auch heute noch – wenn auch nur bei denjenigen, die sie noch kennen – eine ganz bestimmte Wirkung. Vor dem geistigen Auge tummeln sich edle Ritter in strahlender Rüstung und von dunklen Finsterlingen bedrohte jungfräuliche Burgfräuleins ganz in der Art, wie Richard Thorpe (1896-1991) uns das in den 1950er Jahren bereits gezeigt hat. Mit Filmen wie „ Ivanhoe – Der schwarze Ritter “ ( Ivanhoe , 1952) und „ Die Ritter der Tafelrunde “ ( Knights Of The Round Table , 1953) hat er unser Bild vom mittelalterlichen Rittertum und dem Minnesang verklärt. Die wahren Rittertugenden (staete, minne, hoher muet, mâze, triuwe) und das Tjostieren sind Botschaften aus einer längst vergangenen Zeit, die man, will man sie vermitteln, auf eine kurze knackige Formel bringen muss, die jeder versteht: „Manieren machen uns zu Menschen!“ Quelle Matthew Vaughn s (*1971) neuer Film „ Kingsman: The Secret Servi...

Seventh Son - oder: Wie man einen Kinofilm mobbt

Quelle „Sagen Sie, können Sie mir sagen, warum der Film so boykottiert wird? Sie sind das einzige Kino hier in der Gegend, der ihn bringt, und er läuft schon seit Donnerstag! (Anmerkung: Heute ist Sonntag!)“ , frage ich den Mann an der Kinokasse im Odeon-Apollo-Kinocenter in Koblenz. Dieser nickt achselzuckend und antwortet: „Der ist in Amerika schon sehr schlecht gelaufen und dann geht man davon aus, dass der auch hier schlecht läuft.“ Ich traue meinen Ohren kaum. Ich hör' wohl nicht richtig. „Was ist das denn für eine merkwürdige Schlussfolgerung?“ , entgegne ich leicht verstimmt, „Es hat eine Menge Filme gegeben, die in Europa besser und erfolgreicher gelaufen sind als in Amerika.“ Wiederum nickt der Kassierer und wirft mir mit gequälter Mimik lapidar die Feststellung „Er läuft auch sehr schlecht.“ vor die Füße.  Quelle Ich nicke nun ebenfalls, aber nicht, weil ich ihm zustimme, sondern weil ich merke, dass im Gespräch mit diesem Menschen kein Krieg zu gewinnen ist. Das ist ...